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Im Fokus der fraMediale 2012: das interaktive Whiteboard

 

Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich für die fraMediale 2012 am 19. September angemeldet, zur Freude ihrer Organisatoren. Die Messe und Fachtagung steht unter dem Motto "digitale Medien in Bildungseinrichtungen", die Mehrzahl der diesjährigen Vorträge befasste sich allerdings mit unterschiedlichen Aspekten "interaktiver Whiteboards" (IWB) und deren Einsatz in Schule und Hochschule.

fraMediale_2012_Ausstellerraum
"Wir geben Impulse und bringen die Interessierten zusammen!" hatte fraLine-Projektleiter Dr. Thomas Knaus die neue Frankfurter Bildungsdezernentin Sarah Sorge im Vorfeld über das zentrale Anliegen der fraMediale informiert. In der Tat versammelten sich im Gebäude 4 der FH FFM Lehrerinnen und Lehrer, Vertreterinnen und Vertreter der beiden Frankfurter Hochschulen sowie Repräsentanten zahlreicher Behörden und Bildungseinrichtungen zwischen den Kurzvorträgen zu einem lebhaften Gedankenaustausch, auch an den Ausstellerständen.



fraMediale_2012_Aussteller
Hier gab es - neben den „Stammkunden", beispielsweise dem präventiven Jugendschutz der Stadt Frankfurt am Main, dem Staatlichen Schulamt oder dem Medienprojekt Offener Kanal Offenbach - auch Neuzugänge wie etwa das Frankfurter Gallus Zentrum, das sich dem Thema „Jugendkultur und Neue Medien" verschrieben hat und ansprechende Beispiele seiner Arbeit präsentierte. Auch die Vertreterinnen und Vertreter des Infocafes Neu-Isenburg präsentierten zum ersten Mal ihre Jugendmedienarbeit auf der fraMediale.

Zu Beginn des offiziellen Teils lobte FH-Vizepräsident Professor Dr. Ulrich Schrader in seinem Grußwort die große Bandbreite von Lehre und Forschung an der FH FFM, die im Übrigen angesichts mehrerer tausend Studierender mit Migrationshintergrund sowie aus bildungsfernen Familien ein maßgeblicher Integrationsfaktor in der Rhein-Main-Region sei.

fraMediale_2012_Sarah_Sorge
Bildungsdezernentin Sarah Sorge dankte Professor Dr. Ulrich Schrader, Dr. Knaus und dem ganzen fraLine-Team für ihren Einsatz im Rahmen des seit über zehn Jahren bestehenden Kooperationsabkommens mit der Stadt Frankfurt am Main. Dabei ist fraLine mit innovativen Konzepten und Schulungsangeboten für Lehrerinnen und  Lehrer seit langem über den seit Beginn des Projekts angebotenen IT-Support hinausgewachsen, auch wenn dieser nach wie vor zum Tagesgeschäft gehört. Inzwischen wurde im Oktober 2011 das Frankfurter Technologiezentrum [:Medien] (FTzM) gegründet, das die Weiterentwicklung des Einsatzes digitaler Medien an Bildungseinrichtungen langfristig wissenschaftlich begleiten und unterstützen wird. "Das Experiment ist geglückt", betonte Frau Sorge. Man werde den gemeinsamen Weg lösungsorientiert und flexibel fortsetzen. Es müsse einen Master-Plan für die nächsten Jahre geben.
"So viele freundliche Worte hört man selten, wenn man IT-Support macht", freute sich Thomas Knaus über das Grußwort der Dezernentin. Ausdrücklich dankte er den Referentinnen und Referenten sowie den Ausstellerinnen und Ausstellern für ihre Bereitschaft, sich ohne Honorar im Rahmen der fraMediale zu engagieren.

Den Weg durch die dann folgenden jeweils fünfzehnminütigen Vorträge wies auch in diesem Jahr effizient und locker Dennis DiRienzo - Kulturpädagoge aus Bad Vilbel -, der sich eingangs als Absolvent der FH FFM und Mitglied des Fördervereins der FH vorstellte.

fraMediale_2012_Kerstin_Mayrberger
Im ersten Vortrag von Frau Professorin Dr. Kerstin Mayrberger (Universität Augsburg) ging es um das Thema "Einsatz von iPads im Unterricht". Sie hatte die diesbezügliche  Pilotphase in einer berufsbegleitenden Schule mitverfolgt und zu einer Evaluationsstudie genutzt. "Das iPad spart Lernzeit", lautete eines ihrer Ergebnisse, wobei das Gerät die Gruppenarbeit erleichtert und Mobilität gewährleistet. Sie identifizierte hier sowohl einen pragmatischen (einfache Handhabung, rascher Zugriff auf Online-Material etc.) als auch einen didaktischen Mehrwert (u. a. Aufhebung der Zeit- und Raumschranke durch Vernetzung und Virtualisierung von Wissen). Die größte Herausforderung beim Einsatz von iPads im Unterricht sei jedoch, so Kerstin Mayrberger, für die Lehrerinnen und Lehrer die Abgabe von Kontrolle zugunsten von mehr Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler.

Manfred König vom Amt für Lehrerbildung Hessen sprach über erste Ergebnisse und Erfahrungen beim Einsatz von IWBs in der hessischen Lehrausbildung. Alle hessischen Studienseminare wurden, wie er ausführte, bereits mit IWBs ausgestattet. Zukünftigen Lehrkräften müsste nun die erforderliche mediendidaktische Kompetenz vermittelt werden. Dabei ist der zeitliche Aufwand deutlich höher als erwartet. Zudem gibt es nur wenige Ausbilderinnen und Ausbilder mit fundierten Kenntnissen auf diesem Gebiet. König würdigte in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit zwischen Studienseminaren und Hochschulen.

fraMediale_2012_Katharina_ThuelenEin "Heimspiel" gab sodann die Ingenieur-Informatikerin und fraLinerin Katharina Thülen, die einige Aspekte aus ihrer Abschlussarbeit „Technologieanalyse digitaler Tafelsysteme unter Berücksichtigung schulischer Anforderungen" vortrug. Sie erläuterte den Anwesenden, welche Komponenten zu einem IWB gehören. Generell sei eine differenzierte Beratung erforderlich, um zu klären, welches IWB sich für welchen Schultyp eignet. Ein optimales Tafelsystem für alle Schultypen gibt es leider noch nicht, so das Fazit einer Befragung von über 100 Lehrerinnen und Lehrern, die Frau Thülen durchgeführt hatte.
Stellvertretend für seine Mitstreiter (Dr. Clemens Bohrer, Dr. Guido Klees und Dr. Alexander Tillmann) berichtete Dr. Peter Gorzolla, Goethe-Universität Frankfurt, über "Fachübergreifendes Arbeiten an IWBs mit ConceptMaps". "Was sind ConceptMaps?", fragte sich da der unkundige Zuhörer. Gemeint sind Elemente der visuellen Darstellung, wie z. B. Begriffe, Pfeile und Pfeilbeschriftungen, die durch ihre räumliche Anordnung Wissen visualisieren und vermitteln.  Insgesamt geht es in dem Projekt der beteiligten vier Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie, Geografie, Geschichte und Theologie jedoch weniger um konkrete Ergebnisse als um die richtigen Fragestellungen: Wie lässt sich fächerübergreifendes Arbeiten mit digitalen Medien so gestalten, dass auch die Fachdidaktik nicht zu kurz kommt.

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Es ist noch viel zu tun in Sachen "Digitale Medien in Bildungseinrichtungen", soviel ergab sich bereits aus den ersten vier Kurzvorträgen. Der Praxis des IT-Supports widmete sich der Beitrag von Wiebke Frauen (3S Schul-Support -Service Hamburg) und Stefan Wilcke (S3 Schul-Support-Service Bremen). Ihr Thema lautete "Fördernisse und Hemmnisse für Schul-IT-Support". Deutlich wurden dabei vor allem die unterschiedlichen Rahmenbedingungen: Während es an 180 Hamburger Schulen inzwischen etwa 30.000 pädagogisch genutzte  Computer gibt, fehlen einheitliche Standards, auch bei der Anschaffung und der Software.
Das Budget für den Support wurde nicht ausreichend angepasst, so dass sich 3S wegen fehlender Kapazitäten künftig auf die Betreuung neuerer Computer beschränken muss - Probleme mit älteren Geräten können künftig nicht mehr gelöst werden. In Bremen hingegen stehen etwa 8.000 Computer in Schulen, es gibt ein einheitliches Betriebskonzept und einheitliche schulspezifische Softwarepakete.



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Zurück zum IWB, wenn zunächst auch auf einer globaleren Ebene, führte der Vortrag von Professor Dr. Stefan Aufenanger, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Anhand einiger statistischer Daten erläuterte er die Verbreitung der IWBs an Schulen in verschiedenen europäischen Ländern in den Jahren 2009-2011. In diesem Zeitraum stand England mit einer 100%-Ausstattung an der Spitze, während in Finnland beispielsweise kaum Schulen mit IWBs ausgestattet wurden. Als Vorteile von IWBs im Unterricht nannte Stefan Aufenanger die aktive Einbindung der Schülerinnen und Schüler in einen zeitgemäßeren und abwechslungsreicheren Unterricht, der offenkundig vor allem Soft Skills und Medienkompetenz fördert, während es bislang nur wenige Nachweise für eine fachbezogene Leistungssteigerung gibt. "Wir brauchen Langzeitstudien zum IWB-Einsatz", forderte deshalb der Referent. "Was bringt die Zukunft?", fragte er abschließend.

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Als "Dankeschön" für Professor Dr. Aufenanger wie für alle Vortragenden hatte sich fraLine eine Überraschung ausgedacht. Alle erhielten eine von Studierenden der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (hfg) entworfene Laptoptasche, garniert mit Pralinen, so genannten "fraLinen".

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Zum Abschluss des Vortragsprogramms lieferten sich die fraLine-Kollegen Dr. Thomas Knaus und Dipl.-Inf. (FH) Anthony Schmelz ein Streitgespräch über digitales Lernen an der Schule. "Aufräumen müssen wir noch", seufzte Dr. Knaus zu Beginn, deutlich erleichtert über den guten Verlauf der von seiner Kollegin Olga Engel bestens organisierten und vom gesamten fraLine-Team erneut erfolgreich realisierten Veranstaltung, bei der auch die zeitlichen Abläufe (u. a. der Wunsch nach mehr und längeren Pausen) deutlich optimiert waren.
Thomas Knaus kam es in dem freundlichen Disput  naturgemäß zu, die Bedeutung der Medienbildung an Schulen hervorzuheben: Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch angeregt, führte er unter anderem an, ihr Wissen selbst zu erarbeiten und zu lernen, auch die Qualität von Informationen zu bewerten. Die Kostenfrage wurde von Anthony Schmelz vertreten, der ansonsten die Rolle des medien-skeptischen Technikers übernommen hatte.

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Im Verlauf der Veranstaltung hatte Moderator DiRienzo immer wieder auf das Bingo-Gewinnspiel am Ende der fraMediale verwiesen, bei dem es ein tragbares digitales Tafelsystem sowie kostenlose Jahresabonnements zweier Fachzeitschriften zu gewinnen gab. Hier zählten die Kasinoschule, die Elisabethenschule und die Helmholtzschule aus Frankfurt zu den glücklichen Gewinnern.  

Nach der fraMediale ist vor der fraMediale: Daher können wir gespannt sein, was es bei der nächsten Veranstaltung im Frühjahr 2014 wieder Neues zu "digitalen Medien in Bildungseinrichtungen" zu berichten gibt.

 

Rita Orgel, Fachbereich 2 der Fachhochschule Frankfurt am Main

>>> Weitere Bilder der fraMediale 2012 finden Sie in unserer Fotogalerie unter www.fraMediale.de.
>>> Videos und Präsentationen der Vorträge finden Sie auf der fraMediale-Seite unter "Publikationen".
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